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MACH DIR DEIN EIGENES BILD

Frage: Auf dem Festival Berlinertage in Warschau bist Du mit einem Kunstprojekt beteiligt, das die Präsentation des Berlin-Images thematisiert. Zuständig für die Außendarstellung Berlins ist die Gesellschaft für Hauptstadtmarketing, "Partner für Berlin". Was für ein Projekt hast Du in Warschau realisiert? Roland Schefferski: Ich habe in Warschau 50 Plakatwände aufstellen lassen, die ganze Arbeit trägt den Titel „Empty Images“. Mein Kunstprojekt entstand in Zusammenarbeit mit „Partner für Berlin“ und der polnischen Marketingorganisation „Art Marketing Syndicate“. Aus einer offiziellen Plakatserie, die für Werbezwecke hergestellt wurde, habe ich drei Motive ausgewählt, welche Ansichten der modernen Hauptstadt Berlin zeigen sollen. Bis auf einen schmalen äußeren Rand habe ich die Motive ausgeschnitten und drei von ihnen zusammen montiert. In die weiße Fläche des Plakates habe ich eine großformatige Schrift in Polnisch eingefügt: „Machen Sie sich Ihr eigenes Bild von Berlin“. Mit diesem Satz versuchte ich die Warschauer zum Nachdenken über das gegenwärtige Berlin anzuregen, weil ich der Auffassung bin, daß wir alle dazu tendieren, sowohl über die anderen wie auch über die eigene Nation alles zu wissen. Du willst die Leute also bei ihrer Voreingenommenheit fassen. Welche Reaktionen gab es auf diese insgesamt leeren Plakate - eine Plakatwand wurde ja direkt am Eingang des Legia-Fußballstadions plaziert? Schefferski: Trotz der Befürchtungen von Warschauer Lokalpolitikern, die in der Vorbereitungsphase strikt gegen die Plakataktion waren, ist keine einzige Plakatwand mit beleidigenden oder nationalistischen Parolen beschmiert worden. Diese Befürchtungen haben sich als Projektionen erwiesen, die mit der Reaktion der Warschauer nichts zu tun hatten. Erstaunlicher- weise sprachen mich in Warschau aber nicht nur Polen, sondern auch ein Österreicher und ein Deutscher auf die Ästhetik der üblichen Berlin-Außenwerbung von „Partner für Berlin“ an: Sie fühlten sich durch die fotografische Inszenierung von Motiven wie dem Brandenburger Tor oder dem Reichstag an die perfekte NS-Ästhetik erinnert. Auch ich erlebe diese Berlin-Werbung als paradox: Einerseits hat man den Anspruch ein weltoffenes, multi-kulturelles Image der Stadt zu präsentieren, bedient sich dabei aber einer konventionellen Bildstrategie, wie man sie zum Beispiel aus der Calvin-Klein-Werbung kennt. Ich möchte niemandem etwas Totalitäres unterstellen, aber formale Mittel - wie etwa die Zentrierung und Symmetrie des Brandenburger Tors in der Berlin-Werbung - entspringen einem unreflektierten Machtanspruch, wie wir ihn zum Beispiel aus Diktaturen kennen.Wenn Du die Sujets aus den Plakaten entfernst, bietest Du den Warschauern also eine freie Fläche an, in die sie ihr eigenes Bild von Berlin projizieren können? Schefferski: Ich wollte den Warschauern die Möglichkeit geben, ihre alten Bilder und Vorurteile zu überprüfen. Mit diesem Projekt möchte ich aber auch auf ein Phänomen aufmerksam machen, - nämlich die Diskrepanz zwischen einer Idee und ihrer formalen Umsetzung, die ich als missglückt empfinde und die trotzdem eine unbewußte Wahrheit in sich birgt: Es reicht nämlich nicht aus, allein die Idee eines modernen, offenen Berlins zu behaupten, solange man innerlich nicht in der Lage ist, sich dem Fremden gegenüber zu öffnen, - denn wenn man tatsächlich offen ist, braucht man keine Gebärden der Macht, - auch keine visuellen - zu demonstrieren. Jenseits dieser Kritik sehe ich auch eine Stärke bei „Partner für Berlin“, denn man hat mein Projekt mit Interesse gefördert, und darin erkenne ich die Chance und potentielle Offenheit zum Umdenken. Seit 16 Jahren lebe ich als Künstler in Berlin und fühle ich mich durch meine Plakataktion jedenfalls besser vertreten, als durch die starre, offizielle Hauptstadtwerbung. Mein Konzept habe ich ursprünglich in der Ausstellung „Ausgelöschte Bilder“ als Metapher für den Umgang der Deutschen mit dem Bild ihrer eigenen Geschichte verwendet. Auch in Polen ist man mit dem Bild des „neuen Deutschlands“, der sich modern präsentierenden „Berliner Republik“ konfrontiert, die sich besonders den Medien gegenüber aufgeschlossen zeigt und ein positives Bild abgeben will. Den so entstandenen Medienkampagnen will ich durch meine Arbeit einen Freiraum für die „eigenen Vorurteile“ des Betrachters einräumen. Trotz aller propagierter Aufgeschlossenheit werden nicht zuletzt diese Stereotypen, die immer einen „wahren Kern“ besitzen, verdrängt. Das Vorurteil des Außenstehenden ist der Baustein, der zum Gesamtbild fehlt. Und es ist vielleicht eine von wenigen Möglichkeiten die durchaus positive Entwicklung und das Bemühen des neuen Berlins zu unterstützen. Interview: Peter Funken, www.kunstserviceg.deRoland Schefferski verwendete die folgenden drei folgende Motive aus der Posterserie „Das Neue Berlin“ mit freundlicher Genehmigung von "Partner für Berlin"."Berlin-Marathon", 1998 (Foto: dpa - Partner für Berlin)"Berlin nutzt seine neue Freiheit, sich für das 21. Jahrhundert grundlegend zu modernisieren", 1998(Foto: Zenit - Partner für Berlin)"Parlament und Regierung Deutschlands werden 1999 in Berlin sein", 1998(Foto: Zenit/Partner für Berlin)

EMPTY IMAGES IM STADTBILD

Das Verhältnis der Menschen - also auch der Nationen - zueinander basiert darauf, daß man sich von anderen ein Bild macht. Wir verstärken diese Bilder, indem wir ihnen ständig neue hinzufügen. Anlässlich der Veranstaltungsreihe "Berlintage in Warschau" im Mai und Juni 2000 warb Roland Schefferski auf unkonventionelle Weise für Berlin. Und lud die Warschauer ein, seine "Empty Images" der deutschen Hauptstadt mit eigenen Bildern zu füllen.

ROLAND SCHEFFERSKIMACH DIR DEIN EIGENES BILD

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