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Empty Images Unikate - D VERK. Empty Images 2001 - D WAS MACHT EIN TANNENBAUM ALLEIN MACHT - PL VERK. Georgi1 - D VERK. Georgi2 - D VERK. Georgi3 - D VERK. Georgi4 - D VERK. Georgi5 - D VERK. Georgi5b - D VERK. Georgi6 - D FRAGMENTATION OF MEMORY - DIn einem reich ausgestatteten Antiquariat in Danzig hängt neben Regalen voller Porzellan, eingerahmter Grafiken und Gemälden ein Passepartout. In ihm befindet sich der Rand einer herausgeschnittenen Fotografie. Dieser schmale Rand, der das fehlende Innere umfasst, bringt mich im ersten Moment in Verlegenheit. Ich stehe vor einem Rätsel, das ich lösen muss: Wo ist das Bild, das zu diesem übriggebliebenen Rand gehört? Nach einer Weile beginne ich zu raten, überlege, was auf dem herausgeschnittenen Teil zu sehen gewesen sein könnte. Aus dem Grau des Fotopapiers reime ich mir die Farbe des Himmels, die Gestalt der Häuser und der Stadt zusammen. Das beschriebene Bild gehört zu einem Zyklus von Arbeiten, den der Künstler Roland Schefferski Ausgelöschte Bilder (1997) nennt. Er hat dafür altes Fotomaterial benutzt, das Ansichten von Danzig zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeigt. Den ersten Teil dieser Werkgruppe, in dem er Berliner Motive in der gleichen Weise bearbeitet hatte, stellte er 1997 in Berlin aus. Warum ist er so vorgegangen? Warum hat er das Bild herausgeschnitten und durch eine leere Fläche ersetzt? Statt ein fertiges Bild zu zeigen, zwingt mich der Künstler – indem er dieser leeren Fläche die wirkliche Stadtansicht hinter der Fensterscheibe des Antiquariats gegenüberstellt – das fehlende Bild zu rekonstruieren, das nur in meinem Bewusstsein existiert. Ich benutze also meine Fantasie und mein Gedächtnis, um ein Bild des Ortes, an dem ich mich befinde, entstehen zu lassen: Danzig, wie es vor hundert Jahren hätte sein können. Das Wort „Auslöschen“ zieht weitere Assoziationen nach sich. Dem „Auslöschen“ können wir das „Verschwinden“ entgegensetzen. Das erste ist eine aktive Handlung: Wir löschen etwas aus, weil es stört, weil es ein Irrtum, ein Fehler war, den man berichtigen muss. „Verschwinden“ dagegen ist eine im Wesen des Dings begründete Eigenschaft, die Fotografie betreffend, eine langsame chemische und physische Zersetzung.Auslöschen: Bild und Geschichte Schefferski hat das Motiv der Fotografie „ausgelöscht“; er hat es einfach herausgeschnitten und somit auch Raum und Zeit, die auf dem Foto präsent waren, vernichtet, entfernt, weggeworfen. Das „Verschwinden“ eines fotografischen Bildes ist etwas anderes, ein Prozess, der über einen längeren Zeitraum abläuft. Dieses „Entschwinden“ beruht auf der chemischen Zusammensetzung der fotografischen Abbildung. Das Bild vergilbt, verblasst und verschwindet letztendlich. Ähnlich drücken wir uns aus, wenn wir über das Nachlassen von Erinnerungen sprechen. Erinnerungen verblassen allmählich, jedoch nie ganz und gar. Das „Herausschneiden“ dagegen hat eine andere Bedeutung. Es wirkt der „Bewegung des Gedächtnisses“ entgegen; es tut dem Bild Gewalt an. Das ist kein „Verschwinden“ oder „Vergessen“, sondern eben ein „aus dem Gedächtnis auslöschen“, ein brutales Beseitigen ungewollter, unangenehmer Fragmente mit Hilfe von „Werkzeugen der Gewalt“ wie z.B. einer Schere, aber auch mittels der Zensur. Mit seinen Ausgelöschten Bildern verweist Schefferski auf die jüngste Geschichte von Danzig und Berlin, von zwei Städten, die ein ähnliches Schicksal getroffen hat. Beide sollten aus dem menschlichen Gedächtnis gelöscht werden und ihre „alte“ Geschichte durch eine neue, verbesserte ersetzt werden. Aus den Stadtbauplänen verschwanden ganze Straßen und Stadtteile. Doch es stellte sich heraus, dass ein gänzliches „Auslöschen“ nicht möglich ist, denn - gleichsam organisch - wurden die Städte wieder zum Leben erweckt, indem sie aus übrig gebliebenen Trümmern, aus Ruinen, in denen die Erinnerung überlebt, „nachwuchsen“. Selbst wenn ein Gebäude abgerissen wird, so bleibt sein Fundament, bleibt in einem Fotoalbum das Bild seiner Fassade, in Bau-dokumenten die Geschichte seiner Entstehung. Es bleiben also immer ein Schatten, ein letzter Stein, eine Zeichnung, die unsere Erinnerung wach halten. Das ist ein Prozess, der nicht aufzuhalten ist. Franklin R. Ankersmit schreibt über das Wesen der Geschichte: „Sie taucht in Fetzen, in Versprechern, in Fehlleistungen der Vergangenheit, in seltenen Augenblicken auf, in denen sich die Vergangenheit zeigt. Und genau dann entdecken wir, was für uns wichtig ist. Marianna Michalowska ES BLEIBT IMMER EIN SCHATTEN "Ach, ich weiß noch, es gab ein altes Haus, und abends ging es dort folgendermaßen zu: Nach stundenlangem Nähen und Sockenstricken wurde es Zeit für Tee und geröstete Brotscheiben; dann ein tiefer Schlaf, in den ich fallen sollte. Gib mir das noch einmal, so, wie es war samt dem Ticken der Uhr in der Tiefe..." Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe ROLAND SCHEFFERSKIFRAGMENTIERUNG DESGEDÄCHTNISSES BIOGRAFIEPROJEKTEPUBLIKATIONENVERKAUFSGALERIEKONTAKT/IMPRESSUM INTERVENTUR DE EN PL Um alle Inhalte sehen zu können, benötigen Sie den aktuellen Adobe Flash Player. |