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Eine künstlerische Sonderstellung in diesem Projekt nahm aber Roland Schefferski ein, der seit 1984 in Berlin lebt. Schefferski forscht seit Jahren in Wohnrauminstallationen nach der Geschichte des Privaten und er verband als einziger beteiligter Künstler beide Ufer der Oder: Christo und Christus tauschen die Plätze: Sein Künstlerprojekt bringt die grenzüberschreitende Verständigung zwischen zwei Frauen aus Frankfurt (Oder) und dem polnischen Slubice voran. Schefferski macht dabei aus ihren Privatwohnungen einen zeitweise öffentlichen Ausstellungsraum. Anke dekoriert die Wände ihrer sanierten Altbauwohnung mit Christos Reichstags-Drucken und Hundertwasser-Postkarten. Ewa hängt Gedichte und Kinderfotos in ihre Einzimmerwohnung - und über der Tür baumelt ein Kruzifix. Die beiden jungen Frauen sind fast Nachbarn, doch sie trennen ein Fluss und eine Staatsgrenze. Anke wohnt in der Lindenstraße in Frankfurt/Oder, Ewa in der ulica Zeromskiego im polnischen Slubice. Nun aber wechseln Christo und Christus nicht nur temporär Staatsgebiet und Räumlichkeiten, sie machen die Wohnungen der beiden Frauen zum eigenen Kunstraum. Denn die Journalistin Anke und Ewa, die künstlerisch ambitionierte Angestellte bei der Slubicer Stadtverwaltung, tauschen nicht nur ihren Wandschmuck komplett miteinander aus. Sie lassen die Öffentlichkeit auch an ihren so verfremdeten Wohnungen teilhaben.Schefferski inszenierte und betreute den „Bildertausch“ zwischen Anke und Ewa. Aber, sagte er damals: „Hier produziert nur die Idee die Kunst, ich als Künstler bleibe außen vor“ - Schefferskis Konzept erscheint in radikalem Minimalismus: „meine eigene Produktivität würde hier nur stören“, meint er, „ich will kein Filter sein, sondern recherchieren und das Vorhandene bewegen.“ Wortwörtlich wechselten so Ankes Hundertwasser-Drucke und Ewas Kinderfotos im Kofferraum die Oder-Seiten, unter den strengen Blicken der Grenzer.Der Künstler zieht sich bewußt auf die Rolle des vorbereitenden und begleitenden Mediators zurück und läßt das Private sprechen. Christo und Hundertwasser hängen nun zeitweise in Slubice - und in Ewas „manipulierter“ Wohnung stellt sich gespannte Neugier ein, vor den fremden Besuchern, aber auch die Erkenntnis: „Wenn ich mir ein neues Umfeld erschließen will, muß ich auch etwas von mir selbst geben.“Christoph Rasch

DAS PRIVATE SPRECHEN LASSEN

Im Rahmen des Projektes mit dem Titel „zeitweise öffentlich“ oder, jenseits der Oder, „czasowo otwarte“, wurden im Juni 1999 grenznahe Privathaushalte zu Laboratorien einer „anderen“ deutsch-polnischen Verständigung. 15 Künstler aus Deutschland und Polen zu den „Paten“ eines interkulturellen Austausches jenseits von Aldi und schwarzen Zigaretten. Denn der künstlerische Prozeß fungiert an der Oder als Vehikel zur Überwindung der gegenseitigen Berührungsängste. Kulturaustausch als Angelegenheit von Institutionen, von kulturellen "Nationalmannschaften" wird im „zeitweise öffentlichen“ Frankfurt/Slubice vermieden.

ROLAND SCHEFFERSKIBILDERTAUSCH

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