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Empty Images Unikate - D VERK. Empty Images 2001 - D WAS MACHT EIN TANNENBAUM ALLEIN MACHT - PL VERK. Georgi1 - D VERK. Georgi2 - D VERK. Georgi3 - D VERK. Georgi4 - D VERK. Georgi5 - D VERK. Georgi5b - D VERK. Georgi6 - D BESTANDSAUFNAHME - D (4)All die in dieser Ausstellung gesammelten Gegenstände, die eine eigenartige Sammlung bilden, bestimmten einst auf die eine oder andere Weise jemandes Privaträume. Und nun gestattet uns ihr verlängertes Dasein in den Magazinen des Museums, dass wir in ihnen etwas mehr als nur ein Zeugnis der sich entwickelnden materiellen Kultur sehen können. Die Tatsache, dass die Mehrzahl der Gegenstände auf ganz natürliche Weise mit dem Menschen verbunden war, dass sie sein tägliches Leben, seine Arbeit und seine Freizeit bestimmt hat, gestattet uns nun in diesen Gegenständen eine Art Spur derer zu sehen, die nicht mehr unter uns sind. Ihre Spur, hinterlassen in und auf diesen Gegenständen. Deshalb gehen diese Gegenstände diese metaphorischen Spuren über all´ die möglichen äußeren Verstrickungen, über den Einklang mit ihrer historischen Zeit hinaus. Ihnen ist im Grunde der historische Kontext genommen. Einer bestimmten historischen Epoche entstammend, wachsen sie über diese Zeit hinaus.Allgemein lässt sich sagen, dass eine Spur das verkörpert, was zurückgelassen wurde, und zwar nicht unbedingt materiell, sondern empirisch, erfahrbar und physisch. Sie verweist nicht auf sich selbst, sondern auf das, was existenziell oder gar metaphysisch ist. Seit Platon spielt die Spur bei Versuchen, etwas zu visualisieren oder zum Unsichtbaren durchzudringen, eine wesentliche Rolle. Deshalb stört sie die Ordnung der angetroffenen Welt, weil sie auf das verweist, was anders ist und gleichzeitig Vergänglichkeit bedeutet. In seiner monumentalen Arbeit Temps et Récit stellt Paul Ricouer noch einen Aspekt der Spur heraus: Es ist die Ähnlichkeit mit dem Zeichen, denn eine Spur funktioniert wie ein Zeichen. Die Spur bedeutet etwas, weil sie etwas verbirgt, und sie verbirgt etwas, weil sie etwas bedeutet. Dieser Blickwinkel lässt die Spur in doppelter, übereinanderliegender Perspektive erscheinen. „In die Spuren treten“ bedeutet „die Idee der Hinterlassenschaft“. Als Zeichen jedoch oder als Weg, der vom Zeichen zum Ding führt, bedeutet das Lesen der Spuren vor allem das Aufdecken der Ähnlichkeit und des Verhältnisses zwischen dem, was bleibt und dem, was vergeht.In Walter Benjamins Konzept finde ich solide und inhaltliche Unterstützung. Hier wird die Spur aus noch einer weiteren Perspektive betrachtet, die im Zusammenhang mit Schefferskis Ausstellung Bestandsaufnahme von Bedeutung ist: Sie ist eine Form des Beziehungsaufbaus zu einem Gegenstand. Das melancholische Nachdenken über die Welt der Gegenstände gestattet uns, wie Benjamin sagt, „leblose Dinge zu betrachten, um sie zu retten“. Steckt nicht auch diese Intention hinter Schefferskis Schaffen?Der Augenblick des metaphorischen Rettens eines Gegenstandes und sein Aufleben waren für mich unübersehbar, als ich die Museumsmitarbeiterin beim vorsichtigen Reinigen des Porzellanservices beobachtete. Und ich nahm noch etwas anderes wahr, was auch Benjamin schon beschrieben hat: Die Fähigkeit eines Gegenstandes, den Blick zu erwidern. Nur die Spur macht es möglich, über einen Gegenstand zu herrschen, ihn zu manipulieren, „ihn sich der eigenen Phantasie entsprechend zuzuschneidern“, ihn so zu benennen, dass in ihm etwas „erwacht“, das uns ihn gegenüber plötzlich sprachlos werden lässt. Eben dieser erwiderte Blick ist die Vorraussetzung dafür, einen Bezug knüpfen zu können, der uns eine heimliche Beziehung zum Gegenstand öffnet: Erst unsere Wahrnehmung weckt den „Blick“ des Gegenstandes. Das ist ein Blick, der die Weite öffnet, der also über sich hinaus schauen lässt. Wenn man dabei diesen Blick als „genaues Hinhören“ verstehen kann, um Verständigung entstehen zu lassen, die das Wesen und die Bedeutung des jeweiligen Gegenstandes neu entdeckt, dann wird dieser Blick zur Spur, die auf das verweist, was unausdrückbar ist, nämlich die Aura.In dieser Auslegung ist der von Schefferski in diese besondere Sammlung eingereihte Gegenstand im Sinne von Krzysztof Pomians Begriff der Semiforen zu verstehen. Also als Gegenstand, der seinen ursprünglichen Zweck verloren hat und dem nun neue und alte Bedeutung geschenkt wird. Die Semiforen stehen für die unsichtbare Sphäre, für das sacrum: Sie werden nicht manipuliert, sondern sie werden angesehen. Sie unterliegen also nicht der Abnutzung: Es kann der Eindruck entstehen, dass sie ein ewiges Leben führen, wobei sie ihre Bedeutung auf die metaphysische Ebene übertragen. Sie sind der Grund dafür, dass die Kollektion in den Kategorien sacrum und profanum, des Sichtbaren und des Unsichtbaren betrachtet wird. In diesen Kategorien nimmt Krzysztof Pomian das Medium war, das die Einheit des Kosmos ermöglicht: „() die Vielfalt der Gegenstände, aus denen sie [Kollektionen] bestehen, die Vielfalt der Orte, an denen sie entstehen und die Vielfalt der Verhaltensweisen derer, die diese Gegenstände anschauen, entspricht (...) der Vielfalt der Methoden der Gegenüberstellung der unsichtbaren Welt und der sichtbaren Welt“. Wenn es auch in diesem Kontext noch schwer fällt, die Kollektion in den Kategorien des Rettens der Vergangenheit zu erörtern, kann man doch mit Sicherheit von dem Versuch sprechen, die Erinnerung zu bewahren und den Gegenstand als solchen wiederzugewinnen. Schefferski hat mit der Hilfe der ausgestellten Gegenstände sowohl die Geschichte der Gegenstände als auch die der mit ihnen verbundenen Menschen rekonstruiert. Menschen, die sehr wahrscheinlich nicht mehr am Leben sind, die aber diese Gegenstände berührt haben, sie benutzt haben, mit ihnen gearbeitet haben, oder sich einfach mit ihnen umgaben alleine für das Vergnügen, mit etwas Schönem in Berührung zu kommen). Das ist eine eigenartige Rekonstruktion von Geschichte und Vergangenheit, die in einem Gegenstand steckt und von ihm ausgedrückt wird. Obwohl die Gegenstände, die im gewissen Sinne von fortgegangenen Menschen verlassen wurden und dann aufgenommen wurden von denen, die danach kamen, in den Museumsmagazinen abgelegt, haben nicht nur die Vergangenheit in sich eingeschlossen, sondern eine ganze Reihe von Erinnerungen, die sich in einer dichten Erzählung anordnen lassen.Man könnte sagen, dass während der Ausstellung bisher stumme Dinge plötzlich ihre Ausdrucksmöglichkeiten wiedergefunden haben: Sie begannen in gewisser Weise auf die Blicke der Besucher zu reagieren, während sie in den Besuchern eigene Erinnerungen oder gehörte Erzählungen wachriefen. Schefferski zeigte also, dass der Gegenstand an sich nicht tot, sondern weiterhin in der Lage ist, das auszulösen, was über seine Lebendigkeit entscheidet: Die Erinnerung, die von der Verflechtung seines Schicksals mit dem Schicksal des Menschen zeugt: Er ist also zugleich Zeugnis und Andenken an das menschliche Schicksal. Für jeden bedeutet er etwas anderes. Die einen identifizieren sich mit ihm, andere finden ihre eigenen Spuren oder verbinden ihre eigene Geschichte mit ihm. Und in diesem Sinne ist jeder der Gegenstände für jeden von uns eine Art Souvenir.Das heutige Souvenir ist das Abbild des gestrigen Tages, das die damalige Realität spiegeln soll: Die in sich kohärente, doch nicht zwingend adäquate Zeit. Das Souvenir verkörpert die Sammlung, die eine private Geschichte ist, die Vergangenheit ist, die sich weniger auf Fakten gründet, als auf Nostalgie und Erinnerungen und somit als „Abgrund der Zeit“ in den Gegenständen eingeschlossen ist. Deshalb existiert es nicht aus sich selbst heraus, sondern entsteht erst als Ergebnis der Arbeit des Gedächtnisses, die aus Erinnerungen und Sehnsucht nach anderen Zeiten besteht. Es drückt sich in Melancholie, im Erinnern an die fragmentarische Vergangenheit und in individuellen Erfahrungen aus, in denen die Vergangenheit mit Hilfe des Gedächtnisses hervortritt. Es hat den Anschein, dass Walter Benjamin das Andenken in diesem Sinne definierte, nämlich als säkularisierte Reliquie, die die Sphäre des privaten sacrum beschreibt. Mit Zeit ist hier nicht die historische Zeit gemeint, sondern sie ist verwoben und verflochten, nahe dem Vergessen. Sie spricht von Raum, von Momenten und von Unstetigkeit. Die Vergangenheit ist hier nicht linear. Sie besteht aus herausgerissenen Reihen der Reminiszenz, die sich neu verflechten und übereinander legen. Eine Art Labyrinth der Erinnerungen.>> (5/5) << (3/5) ROLAND SCHEFFERSKIBESTANDSAUFNAHME BIOGRAFIEPROJEKTEPUBLIKATIONENVERKAUFSGALERIEKONTAKT/IMPRESSUM AUDIO ABSPIELEN INTERVENTUR DE EN PL Um alle Inhalte sehen zu können, benötigen Sie den aktuellen Adobe Flash Player. |